Syndicate (PC) © 1993 Bullfrog Productions

Genre: RTS

Blade Runners needed

Sieht man Syndicate das erste mal, kann man sich Vergleichen mit Ridley Scotts Meisterwerk nicht entziehen. In der Zukunft beherrscht ein elektronischer Mikrochip die Gehirne der Menschen, welcher ihnen Freude, schönes Wetter und ähnliches vorgaukelt. Ein Machtkampf zwischen verschiedenen Kartellen um die Herstellung dieser Chips entbrennt.

Nach einem kurzen, schicken Intro, in der man die Welt der Zukunft kennenlernt, bekommt der Spieler den Auftrag, ein Syndikat aufzubauen um die Weltherrschaft zu übernehmen - mehr oder weniger. Genauer geht es darum, Regionen einer Weltkarte unter eigene Kontrolle zu bringen, wobei jede Region eine Mission darstellt. Hat man eine solche erfolgreich absolviert, färbt sich die Region in der Farbe des Spielers, und er kann einen Steuersatz für dieses Gebiet festlegen - diese Steuern spülen dann kontinuierlich Geld auf das eigene Konto. Setzt man die steuern zu hoch an, kann es zu einer Rebellion kommen, die dazu führen kann, das man die Kontrolle über das Gebiet verliert und den Auftrag wiederholen muss.

Geld regiert die Cyberwelt!

Der Spieler benötigt dieses Geld, um seine Agenten auszurüsten, und um Forschungen zu betreiben. Waffen, Cyborgimplantate, aber auch nützliche Gegenstände lassen sich erst benutzen, nachdem sie erforscht worden sind - zu beginn stehen dem Spieler lediglich kostenlose Pistolen zur Verfügung. Zwischen den Missionen kann man verschiedene Kategorien entwickeln, z.b. leichte Waffen oder schwere Waffen, und drei verschiedene versionen der Cyborgimplantate für Augen, Gehirn, Herz, Brustkorb, Arme und Beine. Je mehr Geld der Spieler in die Forschung investiert, desto schneller ist diese beendet - wobei die Forschung in Echtzeit abläuft. Lässt man sich mehr Zeit bei Erfüllung eines Auftrages, ist es auch warscheinlicher, das die Forschung bis zur Rückkehr erfolgreich ist.

Guns....lots of Guns!

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand des Spielers ist der "Überzeugungsstrahler" - mit diesem können Zivilisten, Wachen, Polizisten, aber auch gegnerische Agenten unter die Kontrolle des Spielers gebracht werden. Alle überzeugten Personen folgen dem Spieler dann, heben herumliegende Waffen auf, und feuern auf alles, auf das der kontrollierende Agent feuert. Überzeugte, feindliche Agenten werden nach der Mission automatisch dem begrenzten Kader des Spielers hinzugefügt.
Uzis, Schrotflinten, Flammenwerfer, Scharfschützengewehre, schwere Miniguns und Raketenwerfer - im Arsenal des Spielers versammelt sich nach einiger Forschungszeit alles, was das Ballerherz begehrt. Waffen von toten Agenten oder Polizisten können aufgenommen und nach einer Mission auch verkauft werden, was zusätzliches Geld in die Kasse spült - denn auch Munition kostet. Allerdings muss der Spieler aufpassen, fackelt er Agenten ab oder pulverisiert sie mit einem Laser, bleibt nichts übrig was er aufnehmen und verkaufen könnte - höchstens ein häufchen Asche.

Die Missionen in Syndicate sind recht abwechslungsreich: Mal muss eine Person überzeugt und evakuiert werden, mal gilt es ein Attentat zu verüben, ein Fahrzeug zu stehlen oder einfach nur alle gegnerischen Agenten zu eliminieren - welche sich übrigens auch Kämpfe mit anderen Syndikaten liefern. Das Einsatzgebiet ist dabei aus einer isometrischen Perspektive zu sehen, mit der Maus verschiebt man die Ansicht und kann alles komplett einsehen - Nebel oder Rauch, welches in Strategiespielen oft unbetretenes Gebiet kennzeichnet, gibt es hier nicht. Ein Radar zeigt Gegner als rote Kreise an, sogar Waffen sind als kleine punkte sichtbar. Eine Sonarwelle zeigt die Richtung des Missionsziels an. Jeder Agent lässt sich einzeln oder auch in der Gruppe steuern, der Spieler kann sogar Fahrzeuge benutzen und in manchen Missionen eine Eisenbahn.

Cyborgs und Intelligenz

Der Spieler kann maximal vier Agenten ausrüsten und auf jede Mission mitnehmen, ihr Verhalten im Kampf kann er durch Drogen und somit durch drei Schieberegler steuern, welche Adrenalin, Warnehmung und Intelligenz darstellen. Höheres Adrenalin lässt den Agenten schneller laufen, während die anderen beiden seine Aufmerksamkeit im Kampf steuern. Hat man diese Regler auf maximum, schiesst der Agent quasi selbstständig auf jede Bedrohung, die in Reichweite seiner Waffen gerät. Allerdings sind diese Werte nicht unbegrenzt Verfügbar, denn die Wirkung dieser Drogen lässt nach, und zwingt den Spieler die Dosierung wieder zu senken.
Die künstliche Intelligenz ist nicht in jeder Hinsicht gelungen, hier und da bleiben Agenten an Hindernissen hängen oder finden den Weg in ein Gebäude nicht, vor allem wenn sie einen langen Weg zurücklegen müssen.

Grafik und Sound

Die Grafik war damals bombastisch, auch wenn die Städte sich sehr ähnlich sind und dieselben Grafikpaletten nutzen. Beschädigen lassen sich Gebäude leider nicht. Syndicate war das erste Spiel, das glaubhaft eine Stadt simulierte - Passanten, Strassen, animierte Leuchtreklamen, Fahrzeuge und Ampeln erzeugten ein lebendiges Bild, und somit ist Syndicate ein direkter Vorfahre von Spielen wie Grand Theft Auto. Der Sound ist knackig, jede Waffe erkennt man sofort an ihrem Klang, die Musik ist eher dezent aber gelungen, vor allem ändert sie sich sobald sich feindliche Agenten dem Spieler nähern.

FAZIT: Ein toller, innovativer Mix aus Action und Strategie, verpackt in eine futuristische, gewalttätige Endzeitatmosphäre. Auch wenn sich die Grafik in den Missionen nicht sonderlich abwechselt, hat es Peter Molyneux mit seinem Bullfrogteam geschafft, zum ersten mal interaktive Städte zu erschaffen, in welchen der Spieler völlige Bewegungsfreiheit hat, und somit mehr taktische Möglichkeiten beim erfüllen der Missionen. Die Forschung und die Cyborgimplantate motivieren, man will eine Mission nach der anderen absolvieren um seine Agenten immer stärker zu machen - ein fast schon süchtigmachendes Prinzip. Syndicate ist ein Klassiker, ohne den wir Spiele wie GTA vielleicht nicht hätten und ein Geheimtip für alle, die damals noch nicht im videospielfähigen alter waren.


Wertung: 7|10 Retro-Wertung: 9|10