Suikoden (Playstation) © 1997 Konami

Genre: RPG

 

Klassisches Rollenspielvergnügen

Suikoden war das erste einer ganzen Reihe von Rollenspielen, die es durchaus mit der Final Fantasy-Reihe aufnehmen kann. In Suikoden verkörpert man den Sohn eines imperialen Generals, und man will voller Stolz in dessen Fußstapfen treten. Doch plötzlich sieht man sich durch die Hexe des Imperators mit Verrat und Lügen konfrontiert. Man schliesst sich einer Widerstandsbewegung an, und erstellt im Laufe des Spiels seine eigene Armee, um dem Imperium die Stirn zu bieten.

Aller Anfang ist schwer

Das Spiel beginnt im Palast, wo der eigene Vater uns dem Imperator Barbarossa und seiner Hexe Windy vorstellt. Schnell ist klar: Auch wir wollen im Imperium aufsteigen, und vielleicht einmal den Rang eines Generals erlangen, wie unser Vater Teo. So werden wir auch schon auf unsere erste Mission geschickt - welche jedoch ungeahnte Folgen für uns hat. Ted, der Freund unseres Helden, übergibt uns eine Rune, den "Souleater", bevor er festgenommen wird. Diese Rune wird im Laufe des Spiels immer mächtiger, und repräsentiert unseren Magieangriff.

Liberation Army

Die Heimatstadt Gregminster wird von imperialen Truppen besetzt, und so müssen wir fliehen - die Rebellen nehmen uns auf, und zwei unserer Begleiter, Cleo und Pahn, welche von unserem Vater zum Schutz abgestellt worden sind, geraten immer wieder in Gewissenskonflikte zwischen ihrem Auftrag uns zu schützen, und ihrer Loyalität gegenüber dem Imperium. Das Spiel lebt sehr viel von Konflikten und emotionellen Entscheidungen, mehr als bei jedem anderen RPG, das ich kenne.

Die 108 Sterne des Schicksals

Auf dem Weg zur Abrechnung mit dem Imperator und seiner Hexe bestreitet man die üblichen Zufallskämpfe, welche rundenbasiert ablaufen. Dabei trifft der Spieler auf über 100 verschiedene Figuren, welche sich unserer Armee anschliessen können - manche tun dies sofort, andere müssen erst durch bestimmte Aufgaben überzeugt werden. Selbst die Generäle des Imperators können wir auf unsere Seite ziehen. Hat man am Ende alle 108 Charaktere beisammen, erwartet uns ein besonderer Abspann - und ein totgeglaubter Freund wird wiederbelebt.

Kampf

Die meisten dieser Figuren kann man sogar in die eigene, sechsköpfige Party aufnehmen, wobei es zwischen manchen Figuren sogar Verbindungen gibt, durch die sie dann einen gemeinsamen Angriff nutzen können. Manche sind reine Kämpfer, und somit eine logische Wahl, andere eher nutzlose Handwerker. Dennoch hat man immer wieder die Wahl, wen man mitnehmen möchte - nur ab und an bekommt man durch die Storyline bestimmte Figuren vorgeschrieben. Jede Figur hat entweder kurze, mittlere oder lange Reichweite, weswegen man sie entsprechend in den zwei Reihen aufstellen muss.

Neben den normalen Kämpfen gibt es im Spiel auch Duelle (wir müssen unter anderem gegen unseren Vater kämpfen) und große Schlachten - beide laufen im Grunde nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip ab. Trotzdem lockern sie das Gameplay unheimlich auf. Die Welt von Suikoden ist abwechslungsreich und schön, so begegnen wir z.b. den handwerklich geschickten, kriegerischen Zwergen oder besuchen die Baumstadt der Elfen. Die Bosskämpfe sind fordernd, und verlangen nicht nur geschicktes taktieren mit Zaubern und Items, sondern auch ein bestimmtes Erfahrungslevel. Scheitert man, kämpft man einfach noch ein bischen in den Dungeons umher, bis man stärker geworden ist.

Toran

Der Rest des Spiels ist RPG-typisch : Eine große Weltkarte, auf der man zunächst zu Fuß, später auch mit einem Boot unterwegs ist, Item Shops, Magier zum koppeln der diversen Runen, Waffenhändler die unsere Schwerter verstärken usw. Eine weitere Besonderheit des Spiels ist die Burg Toran, in welcher zunächst ein Drache bezwungen werden muss. Fortan gehört das Gemäuer uns, und mit der Anzahl der neuen Mitglieder der Armee wird diese immer weiter ausgebaut. Es gibt neue Stockwerke, der Spieler bekommt sogar eigene Item-Shops und eine Schmiede, und ein pfiffiger Erfinder baut uns später sogar einen Fahrstuhl ein.

Grafik und Sound

Die Grafik ist zweckmäßig, und für PS1-Verhältnisse durchaus ansprechend. Die Animationen und Zauber sind ebenfalls nett gemacht, die Soundeffekte klingen allerdings manchmal merkwürdig und unpassend. Dafür überzeugt der wunderbare Soundtrack, auch wenn einem das Musikstück der Worldmap bald zum Hals heraushängt.

FAZIT: Suikoden überzeugt auf ganzer Linie. Die Duelle und Schlachten sind eine tolle Abwechslung zum normalen Zufallskampf-Alltag, der Ausbau der eigenen Burg ist toll gemacht, wenn auch automatisiert, die Story reisst mich von Beginn an in ihren Bann. Die vielen verschiedenen und sympathischen Charaktere laden zum experimentieren in der Party ein, die unheimlich detailverliebte Welt wirkt glaubwürdig, und die Steuerung ist unkompliziert. Wenn man noch etwas kritisieren will, sind dass die spätestens gegen Ende leicht nervenden, kaum zu umgehenden Zufallskämpfe, und die nur in Englisch verfügbare Sprache - welche allerdings mit durchschnittlichem Schulenglisch kein Problem darstellt. Suikoden bekam einen sehr erfolgreichen Nachfolger spendiert, bei welchem man sogar den Spielstand des ersten Teils übernehmen konnte. Die ganze Suikoden-Reihe umfasst inzwischen ein halbes dutzend Spiele.


Wertung: 7|10 Retro-Wertung: 10|10