Half-Life (PC) © 1998 Valve Software

Genre: Action

Anomalous Materials

Das Spiel beginnt in der Kabine einer Einschienenbahn, wo man den Wissenschaftler Gordon Freeman auf dem Weg zur Arbeit in einer geheimen, unterirdischen US-Forschungseinrichtung namens Black Mesa begleitet. Wie in einem Film läuft hier ein Vorspann ab, bei dem das gescriptete Grundkonzept des Spiels deutlich wird.
Am Ziel angekommen, schlüpft man in seinen Forschungsanzug, und erhält so auch sein HUD.
Gordon wird von einigen Wissenschaftlern dazu angehalten, bei einem Experiment mitzuwirken. Dies geht jedoch schief, ein Dimensionsriß entsteht, und für einen Augenblick wird Gordon in eine Parallelwelt teleportiert, wo er seltsame Kreaturen und merkwürdige Gebilde erblickt. Sekunden später ist er wieder zurück, das Labor liegt in Trümmern, eine Menge tote Wissenschaftler und Wachleute säumen den Weg.

Please, head to the Surface!

Man bittet Gordon, der durch seinen Schutzanzug recht widerstandsfähig ist, an die Oberfläche zurückzukehren, um Hilfe zu holen - doch kurz darauf erscheint ein Team US-Marines auf der Bildfläche, mit dem Ziel alle Vorfälle zu vertuschen und die komplette Forschungsmannschaft zu eliminieren.

In nahtlos und perfekt aneinander gereihten, gescripteten Ereignissen kämpft sich der Spieler durch die Forschungsstation - zunächst nur mit Brechstange und Pistole ausgerüstet, findet man schnell auch Schrotflinte, Maschinenpistole und sogar Raketenwerfer - insgesamt mehr als ein dutzend Waffen stehen zur Verfügung, sogar Haftminen mit Lichtschranke. Fast jede dieser waffen besitzt zudem eine Sekundärfeuer-Funktion, die auch durchaus sinnvoll ist. So kann die Schrotflinte z.b. zwei schüsse abfeuern, und die Maschinenpistole verschiesst eine Gewehrgranate.

Spring, Gordon, spring!

Aber nicht nur gegen zahllose Kreaturen und Soldaten muss sich Gordon erwehren, sondern auch gegen Kampfhubschrauber und den ein oder anderen, dicken Endgegner - so bewacht in Blast Pit beispielsweise ein dreiarmiges Tentakelmonster den Ausgang - Gordon muss in etlichen Kletterpartien eine Raketenvorrichtung zünden, um dieses zu vernichten.

Das Monster ist blind und reagiert nur auf Geräusche, so das der Spieler immer wieder daran vorbei schleichen muss, und die Aufmerksamkeit durch geschickt geworfene Granaten von sich ablenkt.
Später beobachtet Gordon den Kampf etlicher Marines gegen ein weiteres Monster, das er wiederum mit Stromschlägen besiegen muss. Ein anderes mal befindet er sich auf einer steuerbaren, kleinen Version der Einschienenbahn, und fährt mit ihr durch den Untergrund, wo er immer wieder Weichen verstellen und Gegner eliminieren muss.
Die Entwickler fahren eine geradezu unwarscheinlich geniale, und motivierende Mischung aus Action, Jump`n Run Einlagen und Rätseln auf, alles geschickt vermischt und in gescriptete Ereignisse verpackt, die dem Spieler jederzeit ein "mittendrin" - Gefühl vermitteln.

Gordons Gesundheit füllt der Spieler an erste-Hilfe-Stationen auf, und auch die Schutzenergie seines Anzuges kann mit ähnlichen Vorrichtungen erneuert werden. Munition kann in Kisten gefunden werden, die man mit hilfe seines Brecheisens zertrümmert. Auch gefallene Soldaten hinterlassen brav ihre Waffen, damit Gordon sie an sich nehmen kann. Die KI leistet durchweg gute Arbeit, Wachmänner folgen Gordon auf Befehl und attackieren selbstständig Feinde, Soldaten gehen in Deckung und werfen Granaten nach Gordon. Gelegentlich eskortiert der Spieler auch einen Wissenschaftler, der einen Retinascanner bedient und Gordon den Zugang zu einem Raum ermöglicht.

Die englische Originalversion geizt auch nicht mit Gewalt, so hinterlassen getroffene Gegner Blutspuren an den Wänden oder werden auch schon mal in die Luft gesprengt, so das nur noch ihre Innereien dem Spieler entgegen purzeln. Dies führte kurz nach erscheinen des Spiels zu einer indizierung und einer entschärften, deutschen Version, die viel von der Atmosphäre verloren hat.

FAZIT: Half-Life ist einer der besten Egoshooter aller Zeiten, und darf es sich aufgrund des cleveren, rätsellastigen Gameplays erlauben, mit Spieleperlen wie System Shock oder Deus Ex in einem Atemzug genannt zu werden. Zudem ist die Kampagne mit über 30 Stunden Spielzeit auch eine der längsten, die es bis dato gab. Das Leveldesign überzeugt stets, und langweilt zu keinem Punkt des Spiels, die Gegner agieren schlau und zwingen den Spieler zu wachsamem, und geschicktem Vorgehen.
Half-Life ist ein absolutes Beispielmodell des perfekten 3D-Shooters, ein Spiel bei dem das Aufhören schwer fällt und ist seit Erscheinen höchstens noch von seinem Nachfolger getopt worden. Betrachtet man das Spiel heute, wirkt lediglich die Grafik etwas angestaubt, was aber das geniale Gameplay kaum beeinträchtigt.


Wertung: 9|10 Retro-Wertung 10|10